Miron Zownir ohne Titel aus der Serie Berlin Noir, 1977-2016

Künstlergespräch mit Miron Zownir

Moderiert von Dr. Candice M. Hamelin
26.11.2020

In den letzten vierzig Jahren kehrte Miron Zownir immer wieder zurück nach Berlin, um mit seiner Kamera Menschen, Orte und Szenen festzuhalten, die in den Mainstream-Medien oft ausgeblendet werden. Seine Erfahrungen in der sich seit den späten 1970er Jahren ständig verändernden Stadt und seine grafischen und bisweilen schockierenden Schwarz-Weiß-Fotografien, die diese Erfahrungen vermitteln, werden Gegenstand dieses Künstlergesprächs sein.

Das Gespräch wird mit der Kuratorin der Ausstellung Berlin, 1945–2000: A Photographic Subject, Dr. Candice M. Hamelin, geführt.

Aufgrund der neu geltenden Corona-Maßnahmen findet das Gespräch ohne Publikum statt und wird per Livestream auf YouTube übertragen.

Sie können live auch am Chat teilnehmen und dem Künstler Fragen stellen. Machen Sie mit!

Hier geht es zum Livestream. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und hoffen, Sie sind auch von Zuhause aus von unserem Programm inspiriert!


Miron Zownir (*1953 in Karlsruhe)

1975 kam der autodidaktische Fotograf, Filmemacher und Schriftsteller Miron Zownir nach West-Berlin, einer damals isolierten, hoch subventionierten Stadt voller Punks, Hausbesetzer*innen, Drogenkonsument*innen, Künstler*innen, junger westdeutscher Männer, die sich der Wehrpflicht entzogen, und unendlicher Möglichkeiten. Zownir blieb fünf Jahre lang, bevor er ins Ausland zog, und jagte und fotografierte Westberlins Unterwelt auf den vernachlässigten Straßen der Stadt und in ihren düsteren Bars, SM-Clubs, Bordellen, Schwulentreffs und U-Bahn-Stationen. Seine dunklen, manchmal körnigen, manchmal scharfen Silbergelatineabzüge aus der Serie Berlin Noir (1977-2016) zeigen eine apokalyptisch anmutende Stadt, deren Bewohner*innen, zumindest diejenigen, die die Aufmerksamkeit des Fotografen erregt haben, dringend eine Dusche oder ausreichend Schlaf und manchmal beides gebrauchen könnten, auf der Suche nach dem nächsten Schuss oder Stelldichein, nach Abenteuern und Möglichkeiten, um ihre Aggressionen abzubauen und gegen die Behörden und vor allem gegen den Status quo vorzugehen.

Zownir, der als der Dichter der radikalen Fotografie bezeichnet wird, kehrte 1995 nach Berlin zurück und nutzt die Stadt seither als seinen Heimatstandort, sowie auch als Fotomotiv, insbesondere während der Corona-Pandemie, als ihre Straßen und Plätze entweder leer oder mit Demonstranten gefüllt waren. Er hat zahlreiche Fotobücher veröffentlicht, darunter Down and Out in Moscow, Ukrainian Night, NYC RIP, alle 2015, Berlin Noir (2017) und Romania Raw (2020).